Fotos: Nicole Wytyczak

Alles Gold, nichts glänzt

 

Text | Regie

Premiere am 5. Juni 2021, Münchner Kammerspiele, Therese-Giehse-Halle


Geplatzte Träume, gescheiterte Existenzen, Schwermut und Warten und die un-
erfüllte Liebe, Unverbindlichkeiten, Platonow. Der Tag danach: Sieben Jugendlicheund junge Erwachsene suchen in Tschechows Stück nach dem, was sich heutedamit erzählen lässt. Sie hinterfragen die frustrierte, ideenlose Erwachsenenweltund veraltete Rollenbilder, sie befragen ihre eigenen Sehnsüchte, Träume und Erwartungen an die Zukunft und kämpfen lustvoll gegen Stillstand und vorgeschriebenes Älterwerden.

Ein Projekt mit jungen Erwachsenen frei nach „Platonow“ von Anton Tschechow

Text und Regie: Anne Sophie Kapsner

Mit: Mara Babic, Lena Halve, Leonore Henning, Marvin Krause, Katharina Ludwig, Cecilia Skrivfvars, Emilie Wünsch
Bühne und Video: Nicole Marianna Wytyczak 
Kostüme und Maske: Melina Poppe 
Musikalische Leitung und Komposition: Kim Twiddle 
Dramaturgie und Künstlerische Produktionsleitung: Elke Bauer
Produktionsassistenz: Lea Meyer
Licht: Maximilian Kraußmüller, Stephan Mariani
Ton: Ulrich Treutwein
Video: Ikenna David Okegwo

Inspizienz: Hanno Nehring

 

Presse:
>>Wie das geht, zeigt unmittelbar davor Anne Sophie Kapsner mit acht jungen Laien, die spielen wie fantastisch begabte Jungschauspielerinnen, in der Therese-Giehse-Halle.
„Alles Gold, nichts glänzt“ ist, frei nach Tschechows „Platonow“, eine umwerfende Entrüstung junger Menschen über das Erwachsenwerden und die Erwachsenen, fabelhaft lustig, selbstironisch und selbstbewusst. Und perfekt auf den Punkt.<<
Süddeutsche Zeitung

>>
Dafür hat sie den erfrischenden Charme des Ursprünglichen – und eben diese vorwärts drängende Spielkraft. Und die ist Munition genug, uns mitzureißen in ihrem improspielerischen Prozess der Selbstfindung. […] Die Crew hat sich gründlich an dem Generationenunterschied gewetzt. Es kommt alles zur Sprache, vom Lebensziel, den existenziellen Unsicherheiten bis zum Bedürfnis nach Liebe und sexueller Orientierung. […] Ohne Zeigefinger gibt der Abend dem Zuschauer genug Stoff zum Nachdenken.<<
Münchner Merkur
Textausschnitte
Text-Auszug 1:

CHOR
Wir retten die Welt, wir sind der neue Biedermaier. Wir sind das, was ihr wollt. Wir sind euer Untergang. Wir übernehmen eure Verantwortung. Wir baden eure Scheiße aus. Wir schaffen euch ab.

EMILIE
You wanna be forever young?

LEO
Ihr verantwortungslosen Berufsjugendlichen.

LENA
Ihr zerstört die Welt und zieht euch zurück in eure SUVs. 

KATHI
Wir wollen Bausparverträge und Eigenheime. 

LEO
Lebensversicherungen und Adidas-Aktien. 

LENA
Elektronische Rollläden und Überwachungkameras. 

KATHI
Wir wollen Reichtum. 

EMILIE
You wanna be forever young?

CHOR
Wir sind die Dazwischenen. I’m not a girl, not yet a woman – und wir sind ernst.

Ihr seid der Alptraum. Wir sind euer Untergang. Die Endgegner*innen in euren schlimmsten Alpträumen. Wir schaffen euch ab. Wir schaffen uns ab. Alles ist nichts. Wir sind alles. Ihr seid nichts. Ihr habt die Welt zerstört. Wir geben auf. Es gibt keine Revolution. Wir lassen es sein. Wir sind ernst.

 

Text-Auszug 2:

EMILIE
Ich freue mich! Ich freue mich sehr! Ich freue mich sehr … Wie geht es Ihnen, meine Liebe?

LEO
Danke.

EMILIE
Wo ist Platonow?

MARA
Ein wunderbarer Mensch.

LENA
Dieser idiotische Besserwisser…dieser blöde Angeber.

LEO
Der beste Vertreter der heutigen Orientierungslosigkeit.

LENA
Ein schöner Mann.

KATHI
Ein unerträglicher Mensch!

MARVIN
Er steckt in einer Sackgasse, verliert sich, weiß nicht, auf was er sich
konzentrieren soll, versteht nichts.

EMILIE
Ist er ein Mensch, jemand, der sich engagiert auf dem Gebiet der Freiheit, der

Frauenemanzipation?

LENA
Güte hat er wenig. Bei ihm sind alle Idioten.